Geschichte

Errinerungsurkunde 30 Jahre BFV ReutteDie Anfänge des Feuerwehrwesens im Bezirk Reutte

Den Beginn des freiwilligen Feuerwehrwesens im Bezirk Reutte markiert der Brandwehrverein Reutte, der im Jahr 1867 geründet wurde. Der Anlass für die Gründung des Brandwehrvereins Reutte war ein Brand am Anwesen SCHLUX auf der Kög am 20. Jänner 1867, dem die Gemeindefeuerwehr mit ihrer völlig veralteten Stoßspritze nicht gewachsen war. Das hoffnungslose Durcheinander und die Hilflosigkeit, die am Brandplatz geherrscht haben, ließen rasch die Erkenntnis reifen, dass man nur mit einer gut ausgebildeten freiwilligen Spezialtruppe und nicht mit der von der Gemeinde verordneten Pflichtfeuerwehr einer solchen Feuersbrunst Herr werden konnte.

Brandwehrverein Reutte 1867


Am 3. Februar 1867 schlug dann die Geburtsstunde für das freiwillige Feuerwehrwesen im Bezirk Reutte. Anton von WILBURGER legte der Marktgemeinde Reutte die Statuten zur Gründung eines Brandwehrvereines des Marktes Reutte dar. Der Zweck des Vereins lautete: „Eine drohende Feuersgefahr nach Kräften zu bekämpfen, ist Pflicht eines jeden Gemeindemitgliedes. Diese Pflicht aber zu einem geordneten Ganzen zu gestalten, die vereinzelten Kräfte zu vereinen und zu üben und unter einer einheitlichen Leitung dem gemeinsamen Ziele zuzuführen, ist der Zweck des Vereins.“
In den Statuten wurden Organisation und Finanzierung des Brandwehrvereins festgelegt und am 21. Februar 1867 befanden der bürgerliche Rat von Reutte sowie die Vertreter der Nachbargemeinden Breitenwang, Ehenbichl und Pflach im sogenannten Pfarrausschuss über die Statuten. Der Reuttener Bürgermeister hob im Pfarrausschuss die Wichtigkeit des Brandwehrvereins hervor und alle Gemeindevertreter begrüßten schließlich die Einführung einer Freiwilligen Feuerwehr.

Turnerfeuerwehr Reutte 1868

Der Brandwehrverein Reutte entwickelte jedoch keine größeren Aktivitäten und als sich wegen einer geplanten Sammlung für den Brandwehrverein erste Unstimmigkeiten mit der Gemeindeführung abzeichneten wurde er schließlich durch die zweite Neugründung, die Turnerfeuerwehr abgelöst. Die Turnerfeuerwehr wurde am 2. März 1868 unter der Federführung von Oberförster Alois GÖTZ gegründet. Da das deutsche Turnwesen dem liberalen Gedankengut verhaftet war, waren im mehrheitlich konservativen Reutte Konflikte mit der konservativen Majorität der Gemeinde vorprogrammiert. Die Turner-Feuerwehr hatte auch nur einen dreijährigen Bestand. Als sich im Jahr 1871 die Konflikte mit der Gemeindeführung häuften wurde der Verein aufgelöst.

Freiwillige Feuerwehr Reutte 1872


Da die Gemeinde Reutte mit ihren 1450 Einwohnern jedoch nicht mehr auf eine freiwillige Feuerwehr verzichten konnte, bemühte sich die Gemeindeführung sofort wieder, eine neue freiwillige Feuerwehr zu gründen. Der Bürgermeister wurde ermächtigt zusammen mit den führenden Köpfen der ehemaligen Turnerfeuerwehr alles zu unternehmen, damit in Reutte wieder ein geordnetes Feuerwehrwesen entsteht. So konnten dann bereits am 14. Jänner 1872 die neuen Statuten für die neue Freiwillige Feuerwehr Reutte beschlossen werden. Nachdem die Statthalterei die Statuten am 21. April 1872 genehmigt hatte fand am 28. April 1872 die Konstituierung der Freiwillige Feuerwehr Reutte statt.

Freiwillige Feuerwehr Tannheim 1876

Den nächsten Meilenstein für das Feuerwehrwesen im Bezirk Reutte war im Jahr 1876 als in Tannheim unter der Federführung von Lorenz RIEF die Freiwillige Feuerwehr Tannheim gegründet wurde. Dabei wurden die Statuten und die Organisation der Feuerwehr Reutte weitgehend übernommen und nachdem Statthalterei und Gemeindeführung ihre Zustimmung gegeben hatten konnte die Feuerwehr Tannheim am 6. März 1867 ihre Tätigkeit aufnehmen.

Weitere Gründungen

Es folgten nun weitere Feuerwehrgründungen in Biberwier (1879), Lechaschau (1884), Ehrwald (1886), Lermoos (1888), Vils (1889), Höfen (1890), Bach (1897), Musau (1897), Pinswang (1898), Pflach (1898) und Häselgehr (1898).

Die Gründung des Bezirksverbandes Reutte


Zur schlagkräftigen Ausbildung des Feuerwehrwesens entstanden in Tirol neben einem Landesverband (Gauverband) auch Bezirksverbände als freiwillige organisatorische Zusammenschlüsse. Das Feuerwehrwesen im Außerfern war bis zum Jahr 1898 soweit gediehen, daß die Gründung eines eigenen Feuerwehr-Bezirksverbandes notwendig und zweckmäßig wurde.
Der Feuerwehr-Bezirks-Verband Nr. 6 in Reutte wurde am 25. März 1898 von den Vertretern der Freiwilligen Feuerwehren von Reutte, Lechaschau, Höfen, Musau und Vils gegründet. Am 25. September desselben Jahres wurde in Reutte der erste Delegiertentag abgehalten, zu dem auch der Gauverband in Innsbruck einen Vertreter entsandte.
Bis zum Juli des Jahres 1899 traten die neugegründeten Feuerwehren von Pflach und Häselgehr beim Bezirksverband bei. Die Feuerwehr von Pflach zählte 40, jene von Häselgehr 85 Mitglieder. Beim ersten Bezirksfeuerwehrtag 1899 bestand daher der Bezirksverband aus sieben Feuerwehren mit insgesamt 525 Mann.
Die bereits bestehenden Feuerwehren von Biberwier, Lermoos und Ehrwald hatten mündlich ihre Bereitschaft, dem Bezirksverband beizutreten, bekundet, sich aber dazu noch nicht definitiv entschließen können. Die bereits gegründete Feuerwehr von  Pinswang und die in Gründung begriffenen Feuerwehr von Weißenbach wollte man zum baldigen Beitritt bewegen. Weiters hoffte der Bezirksverband, bald Gründungen in Heiterwang und Bichlbach herbeiführen zu können.

Mißachtung des Vereinsgesetzes

Der Bezirksverband entstand 1898 ohne Statuten, somit als lose Vereinigung von Feuerwehren und konnte auf diese Weise über fünf Jahre eine nicht unerhebliche Tätigkeit entfalten. Erst im Jahr 1903 fand die Bezirkshauptmannschaft Reutte, daß dadurch die Bestimmungen des Vereinsgesetzes verletzt würden, da der Bezirksverband ohne vereinsrechtliche Genehmigung durch die Statthalterei seine Aufgaben wahrnahm. Dies sollte in der Folge zu einem längeren behördlichen Papierkrieg führen.
Die Bezirkshauptmannschaft verlangte die Vorlage von Statuten mit dem Hinweis, daß, falls diese die oberbehördliche Genehmigung nicht besäßen, die Tätigkeit des Bezirksverbandes einzustellen sei. Am 16. August beriet der Bezirksverband vom Landesverband ausgearbeitete Statuten, nahm sie an und legte sie schon am 17. August 1903 der Statthalterei im Wege der  Bezirkshauptmannschaft vor. Der Bezirkshauptmann leitete diese Statuten tags darauf unverzüglich der Statthalterei weiter, jedoch mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß den Proponenten unter Hinweis auf das Vereinsgesetz die Ausübung der Vereinstätigkeit zu untersagen sei.
Die Statthalterei, die am 21. August in den Besitz des Aktes kam, wies die Statuten am 23. August wegen formaler Mängel zurück. Im Paragraphen 8 war nämlich vorgesehen, daß der Sitz des Bezirksverbandes am Wohnort des jeweiligen Obmannes sein müsse. Die Statthalterei erklärte diese Bestimmung für unzulässig. Weiters bemängelte die Statthalterei fehlende Bestimmungen über die Konstituierung und Formulierungen über den Beitritt. Die Bezirkshauptmannschaft legte am 28. August 1903 diese Untersagung Engelbert Müller als Obmann vor und übersandte die Empfangsbestätigung am darauffolgenden Tag der Statthalterei. Dadurch war die Tätigkeit des Bezirksverbandes ungesetzlich.

Bemühung um Anerkennung


Der Bezirksverband ersuchte den Landesverband, in dieser Frage den Landesfeuerwehrtag zu befassen. Da der Außerferner Bezirksverband nicht rechtens bestand, schien auch eine Außerferner Delegation zum Landesfeuerwehrtag gesetzwidrig zu sein. Jedoch wurde eine schriftliche Eingabe an den Landesfeuerwehrtag verfertigt, die jedoch von diesem abgewiesen wurde.
Die Bestimmungen hinsichtlich des Sitzes waren leicht zu reparieren, indem Reutte als Sitz des  Bezirksverbandes festgelegt wurde. Die Bestimmungen und Formulierungen über Konstituierung und Beitritt fand man jedoch in Reutte als unzutreffend, daß der Verband schon nahezu vor sechs Jahren konstituiert worden war und seitdem seine Tätigkeit ausübte.
Trotz behördlicher Untersagung widersetzte sich jedoch der Bezirksverband – für die damalige obrigkeitshörige Zeit ein bemerkenswerter Schritt! – dieser behördlichen Verfügung, nachdem ihn der Landesverband zu diesem Schritt am 22. September ermutigt hatte. Der Ausschuß des Bezirksverbandes faßte am 29. September 1903 den Beschluß, ohne Rücksicht auf das behördliche Verbot die Tätigkeit fortzusetzen, um die Feuerwehren des Bezirks nicht zu schädigen.
Der Landesverband intervenierte bei der Statthalterei und legte am 6. Februar 1904 dem Bezirksverband geänderte Statuten vor, die dieser am 14. Februar 1904 neuerlich im Wege der Bezirkshauptmannschaft der Statthalterei einreichte. Die Statthalterei lehnte diese Statuten am 20. Februar wegen derselben Formalmängel abermals ab. Obmann Müller setzte sich am 10. März 1904 persönlich mit der Statthalterei ins Einvernehmen. Er konnte die Behörde überzeugen, daß der Bezirksverband de facto schon seit sechs Jahren bestehe und fast sämtliche Feuerwehren des Bezirkes umfasse. Weiters konnte er zur umstrittenen Satzungsbestimmung klar-stellen, daß die Verbandsmitglieder außer der Teilnahme am Verbandstage und der Zahlung der Mitgliedsbeiträge keinen weiteren Rechte und Pflichten hätte. Damit konnte er die Behörde überzeugen. Es stellte sich außerdem heraus, daß die neuerliche Zurückweisung der Statuten durch die Statthalterei auf einem Irrtum beruht hatte, da der Feuerwehr-Bezirksverband Schlanders aufgrund gleichlautender Statuten genehmigt worden war. Die Statthalterei nahm die Vereinsgründung am 11. März 1904 zustimmend zu Kenntnis und verzichtete in Anbetracht des bereits sechsjährigen Bestandes auf eine Verlautbarung der Gründung im Amtsblatt.
Die Satzung des Bezirksfeuerwehrverbandes wurde von den Freiwilligen Feuerwehren von Höfen, Lechaschau, Reutte und Pflach eingegeben. Die Satzung sah vor, daß sowohl Freiwillige Feuerwehren als auch Gemeindefeuerwehren dem Bezirksfeuerwehrverband beitreten können. In der Praxis kam es jedoch ausschließlich zum Beitritt von Freiwilligen Feuerwehren.
Der Zweck des Bezirksverbandes war die Ausbildung und Ausbreitung des Feuerwehrwesens im Bezirk Reutte, die Errichtung von Feuerwehren und deren Anschluß an den Bezirks- und Landesverband. Weiters sahen die Stauten gegenseitigen Unterricht im Löschwesen, gemeinschaftliches Vorgehen und wechselseitige Hilfeleistung bei Bränden vor.
Weiters sollte der Bezirksverband als Bindeglied zwischen den Freiwilligen Feuerwehren des Bezirks und dem Landesverband der deutschtirolischen Feuerwehren dienen. Durch
den Bezirksverband sollte auch die Einführung möglichst gleichartiger und zweckentsprechender Löschmittel, Kommandos und Exerzitien sowie einheitliche Schlauchkupplungen gewährleistet werden.
Der Bezirksfeuerwehrtag mußte jeweils an einem anderen Ort, an dem eine Verbandsfeuerwehr bestand, abgehalten werden. Jede Feuerwehr konnte zu diesem Bezirksfeuerwehrtag für je fünfzig Mitglieder einen Delegierten entsenden. Der Bezirksverband war von einem Ausschuß zu leiten, der aus dem Obmann, dessen Stellvertreter, dem Schriftführer, dem Kassier und drei weiten Mitgliedern bestand. Erster Obmann war Johann Zitt, dem 1901 Engelbert Müller folgte.